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Presseerklärung zum Volksbegehren „Pro Biene“

15.08.2019

Derzeit gibt es in ganz Baden-Württemberg heftige Diskussionen zum Volksbegehren „Pro Biene“. Deshalb sieht sich der Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg e.V., als berufsständische Interessenvertretung der über 3.000 Obstbauern im Land, dazu verpflichtet auf die existenzbedrohenden Folgen im Falle eines erfolgreichen Volksbegehrens hinzuweisen. Das Volksbegehren „Pro Biene“ stellt alle bisherigen Herausforderungen in den Schatten, den es geht um nicht viel weniger als darum, ob der Erwerbsobstbau in Baden-Württemberg überhaupt noch Zukunft hat.

Gefordert wird, dass bis 2035 50 Prozent der Flächen in Baden-Württemberg biologisch bewirtschaftet werden sollen. In Schutzgebieten soll der Einsatz von Pestiziden verboten werden und auf den verbleibenden Flächen soll es bis 2025 eine Halbierung des Pestizideinsatzes geben. Des Weiteren sollen Streuobstwiesen unter Schutz gestellt werden.
Bei diesen Forderungen geht es nicht mehr um einen Schutz der Bienen, sondern vielmehr darum unseren Obstbauern die Existenzgrundlage zu nehmen. Deshalb sollte sich ein jeder die Frage stellen, ob man heimisches Obst noch möchte, oder ob lieber alles aus dem Ausland importiert werden soll.

Die Anzahl und Größe der Schutzgebiete wurde in Baden-Württemberg in den letzten Jahrzehnten bereits massiv ausgeweitet, so dass ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden in diesen Gebieten massive Auswirkungen auf den Anbau von Sonderkulturen nach sich ziehen würde. Besonders am Bodensee findet ein Großteil der Obst-, Wein-, und Hopfenproduktion in ausgewiesenen Schutzgebieten statt.
Unsere Obstbauern wenden auch heute schon Pflanzenschutzmittel nur nach guter fachlicher Praxis mit dem Grundsatz „So viel wie nötig- so wenig wie möglich“ an. Der Einsatz moderner Prognosemodelle und Technik,  sowie der Anbau resistenter Sorten sind dabei Standard. Die Forderung nach einer pauschalen Mengenreduktion der eingesetzten Pflanzenschutzmittel ist nicht sinnvoll und wird von uns abgelehnt, da ein effektiver Pflanzenschutzmitteleinsatz je nach Schädlingsaufkommen, Krankheits- und Witterungsverlauf erfolgen muss.

Durch Bäume und Sträucher, sowie bewuchsfreie Baumstreifen und Wiesen bieten die Obstplantagen vielen, auch gefährdeten Pflanzen- und Tierarten einen Lebensraum. Diese unterschiedlichen Lebensräume vermischen und ergänzen sich und so entstehen vielfältige Ökosysteme.

Der Anbau ausgewählter Gehölze und Blühpflanzen in den Fahrgassen und Randstreifen erhöht und verlängert das Nahrungsangebot blühsuchender Insekten. Sogar Wildbienen, die mit Nahrung und Nistweise hoch spezialisiert sind, finden in den Obstplantagen einen wichtigen Lebensraum.
Unsere Obstbauern in Baden-Württemberg fördern durch ihre Arbeit und ihr Engagement die biologische Vielfalt und schaffen mit Ihren Obstanlagen ein ganz spezielles Ökosystem für eine vielfältige Tier- und Pflanzenwelt.

Der überwiegende Teil der rund 116.000 Hektar Streuobstflächen liegt in privater Hand, weitere 30.000 Hektar sind landwirtschaftlichen Betrieben zuzuordnen. Die aufwändige Erhaltung und Pflege dieser Bestände wird aktuell durch die Landesregierung mit verschiedenen Programmen gefördert. Sollten diese Flächen unter Schutz gestellt werden, so würde die Möglichkeit einer Förderung durch das Land weitestgehend entfallen und somit auch der positive Anreiz für die aufwendige Pflege dieser Kulturlandschaftselemente. Zu befürchten ist hier eine noch stärkere Nutzungsaufgabe vor allem durch die jüngere Generation, was dem Ziel, Streuobstwiesen als Lebensraum vieler Arten zu erhalten, widersprechen würde.

Dass es in Sachen Artenschutz ein Umdenken geben muss und etwas gegen das Insektensterben getan werden muss ist für uns als Landesverband Erwerbsobstbau Baden-Württemberg e.V. selbstverständlich, jedoch wehren wir uns gegen die einseitige Betrachtung der Landwirtschaft. Die Ursachen für den Artenschwund sind vielfältig und reichen vom Klimawandel bis hin zum Lebensraumverlust. Allein in Deutschland gehen täglich ca. 60 Hektar Lebensraum für Insekten unwiderruflich durch Bebauung verloren.

Das Volksbegehren „Pro Biene“ zweier Imker aus Stuttgart ist für unsere Sonderkulturbetriebe bei größter Bereitschaft nicht erfüllbar und würde unabdingbar zu einem Ende großer Teile der Sonderkulturproduktion in Baden-Württemberg führen und somit zu einem unwiderruflichen Wegfall der Kulturlandschaft, welche heute das Erscheinungsbild von Baden-Württemberg prägt.