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Mindestlohn bereitet Sorg

26.02.2019

Ein steigender Mindestlohn, ein absolut unbefriedigender Markt, Beschränkungen beim Pflanzenschutz und die Sorge um den Schutz der Kulturen vor Frost – die Obstbauern drückt der Schuh zwischen-zeitlich an vielen Stellen massiv. Das kam bei der Mitgliederversammlung des Landesverbandes Erwerbsobstbau (LVEO) in Stuttgart deutlich zum Ausdruck.

Wir haben eine Superernte eingefahren, die Preise aber sind katastrophal“, beklagte LVEO-Präsident Franz Josef Müller und befürchtet, dass der Markt auch in Zukunft schwierig bleibt. Im Frostjahr sind Absatzkanäle weggebrochen, da Ware fehlte. Zudem kauft der Handel immer stärker zentral ein und setzt auf Lieferanten, die rund ums Jahr liefern. „Wir müssen unsere Vermarktung neu aufstellen, um wahrgenommen werden“, lautete sein Fazit aus der Entwicklung.
Auch auf der Produktionsseite wird es nicht einfacher. Durch den weiter steigenden Mindestlohn, der in diesem Jahr bei 9,18 Euro liegt und im nächsten auf 9,35 Euro steigt, befürchtete der LVEO-Präsident wachsende Wettbewerbsverzerrungen. Länder wie Spanien mit einem Mindestlohn von 4,46 Euro oder Polen mit 2,85 Euro, wo zudem mit EU-Geldern eine moderne Apfelproduktion aufgebaut wurde, könnten deutlich günstiger produzieren. Handel soll zur Regionalität stehen. Beim Handel habe das Bekenntnis zur Regionalität oft nur Alibifunktion, sparte Müller nicht mit Kritik. Dabei verwies er auf die Erdbeersaison, wo noch spanische Ware verkauft wurde, als die heimische Ernte längst angelaufen war. Am Beispiel Frankreichs machte Müller deutlich, dass in anderen Ländern andere Prioritäten gesetzt werden. „Dort darf keine Ware verkauft werden, die mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurde, die im Nachbarland nicht zugelassen sind“, erklärte er. Als Lichtblick wertete der LVEO-Präsident dagegen die Ausbildungszahlen. Bei den Aus-zubildenden im Obstbau seien die Zahlen stabil, bei den Meistern rangiere das Land sogar an erster Stelle. Hilfreich für die Betriebe könne auch die flexiblere Arbeitszeitregelung sein, die der baden-württembergische Arbeitgeberverband für Land- und Forstwirtschaft in Tarifverhandlungen erreicht hat. Die Frostschäden mit den Folgen für den Markt machen laut Joachim Hauck vom Stutt-garter Landwirtschaftsministerium deutlich, wie wichtig ein Frostschutz ist. Eine über den Bund oder die EU mitfinanzierte Mehrgefahrenversicherung wird es wohl nicht geben. Hauck deutete an, dass das Land möglicherweise in die Bresche springt. „Allerdings ist damit nur der Betrieb finanziell abgesichert“, machte er deutlich. Wer lieferfähig bleiben will, braucht Ware. Die für eine Frostberegnung notwendige Wasserentnahme sei an Fließgewässern problematisch. Daher würden Speicherbecken benötigt, über deren ökologi- Wertigkeit auch mit dem Naturschutz dis-kutiert werden sollte. In der Debatte um Gewässerabstände riet er dazu, bei Neuanlagen die geforderten Abstände einzuhalten. Dies gelte auch für die zehn Meter bei baulichen Anlagen. Für bereits bestehende Anlagen hofft Hauck, dass mit der am Regierungspräsidium Tübingen eingerichteten Arbeitsgruppe betriebsspezifische Lösungen gefunden werden. Für die Sammelanträge zur Genehmigung von Pflanzenschutzmitteln nach Paragraf 22 sind in diesem Jahr erstmals Flächenlisten notwendig, informierte LVEO-Geschäftsführerin Katrin Walter. Für Betriebe ohne Flächenangabe gebe es keine Genehmigung.

Quelle: Werner-Gnann, BWagrar